
Mit dem Palmsonntag beginnt die heiligste Zeit des Kirchenjahres, die Karwoche. Die Karwoche wird eröffnet mit dem Palmsonntag. Die gegenwärtige Palmsonntagsfeier umfasst drei Teile: die Palmweihe, die Palmprozession und die hl. Messe. Letztere weist keine Besonderheiten auf, außer dass die Leidensgeschichte nach Matthäus gelesen wird.
- Der Sinn des Palmsonntags
Es geht nicht nur um eine Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem, sondern wir wollen den Herrn feierlich in sein Leiden hineinbegleiten.
Hierzu müssen wir aber selbst zu Kämpfern und Märtyrern geweiht werden. Wir verstehen dies am besten, wenn wir uns vorstellen, dass Christus in unserer Mitte ist, dass wir seine Jünger sind, die ihm den Triumphzug bereiten. Wir geleiten den Herrn vom Ölberg in die Heilige Stadt zu seinem Leiden. Wir sind in diesem heiligen Schauspiel nicht bloß Zuschauer, sondern echte Teilnehmer. Die Szene hat drei Schauplätze oder Akte: der erste ist der Ölberg (die Palmweihe in der Versammlungskirche), der zweite der Weg vom Ölberg bis zum Tor der Stadt Jerusalem (die Palmprozession), der dritte spielt in der Heiligen Stadt selbst (hl. Messe in der Stationskirche).
- Die Palmweihe
Wir versammeln uns in der Kirche, die heute in Sinnbild für den Ölberg darstellt. Der Ablauf der Palmweihe ähnelt äußerlich gesehen dem Aufbau der hl. Messe, allerdings ohne Wandlung und Kommunion. Anstelle des Vollzugs der Wandlung werden die Zweige geweiht und an Stelle der Kommunion werden die Zweige an die Anwesenden ausgeteilt.
Zu Beginn der Feier begrüßen wir den einziehenden Priester als Christus mit dem Gesang seiner Jünger, die ihm mit Palmen entgegenziehen: „Hosanna dem Sohne Davids: Hochgelobt sei der da kommt im Namen des Herrn; o König von Israel, Hosanna in der Höhe.“
Nach dem Evangelium, das vom feierlichen Einzug Christi in die Stadt Jerusalem berichtet, beginnt die feierliche Weihe der Zweige. In den Weihegebeten wird erklärt, was die Palm- und Ölzweige bedeuten sollen. Sie sind “Sinnbilder des Martyriums Christi, aber auch der Christen. Der Herr geht jetzt freiwillig in den Tod, und wir folgen ihm, die Palmen in den Händen tragend, nach.”
Nach der Weihe werden die Zweige an das Volk ausgeteilt. Wenn wir diese Zweige annehmen, versprechen wir Märtyrer und Bekenner zu sein. Am Lichtmesstag nehmen wir die Lichtmesskerze entgegen, um zu versprechen, Kinder des Lichtes zu sein, heute versprechen wir in Wort und Bekenntnis als Zeugen für Christus zu leben, wenn nötig mit dem Opfer der persönlichen Güter und sogar des Lebens. Um das ganze Jahr an diese Wahrheiten erinnert zu werden, hängen wir uns im Anschluss an die Feierlichkeiten die Palmbüschel in unsere Zimmer.
- Die Palmprozession

Der Sinn der Prozession ist folgender: Wir führen den Sieger über Tod und Hölle in den Kampf, und begleiten Ihn die Hl. Stadt.
Die Palmweihe kam erst im Mittelalter auf, die Palmprozession hingegen hat viel ältere Wurzeln. Sie ist eine Darstellung des Einzuges Jesu in Jerusalem, eine Huldigung der Gläubigen an den Sieger über Sünde und Tod. Die Prozession geht auf die Gemeinde von Jerusalem zurück, wo schon vor dem Jahr 400 die Gläubigen unter Hymnengesang vom Ölberg in die Stadt herabzogen; diese Palmprozession nahm ihren Eroberungszug durch das ganze Morgen- und Abendland.
Es ist zwar richtig, dass die Palmprozessionen heute nicht mehr mit dem gleichen äußeren Aufwand abgehalten werden uns sie sich meist nur noch auf den Kirchplatz beschränken, der Sinn und die ihre tiefe, ergreifende Symbolik bleiben jedoch gleich – wir grüßen unseren Heiland als Überwinder des Todes, der nach seinen Leiden eingeht in die Herrlichkeit des Vaters, vom irdischen Jerusalem hinauf zum himmlischen Sion.
- Die Messfeier
Die heutige Stationskirche ist St. Johann im Lateran. Sie stellt die Stadt Jerusalem dar, in die wir als Jünger Christi mit Christus einziehen.
Doch Christus ist eben nicht in Jerusalem eingezogen, um sich als König krönen zu lassen, sondern um zu leiden. In der Liturgie ist das deutlich sichtbar, denn die frohen Jubelgesänge gehen nun in eine tieftraurige Stimmung über. Die hl. Messe versetzt uns nun mitten in die Passion: Die Messtexte – u.a. mit dem Verlesen der Leidensgeschichte unseres Herrn – malen uns das Schmerzensbild des leidenden Heilandes, die Gesänge sind Klagerufe aus dem Munde Christi, der in seiner Verlassenheit zum Vater emporschreit.
Wir haben nun gesehen, dass es beim Palmsonntag vornehmlich um drei Etappen geht: Wir bereiten Jubel und Triumph für den Sieger und König Christus, wir gehen mit unserem Herrn in den Kampf und werden dabei selbst zu Kämpfern, folgen ihm in den Tod in der hl. Messe und werden mit ihm nach Treue im Kampfe in das Himmelreich einziehen.
Quellen:
- Im Kreuz ist Heil! Das Jahr des Heils; Klosterneuburger Liturgiekalender von Pius Parsch, 10.Aufl., 2. Bd. Osterteil, nach: fsspx.de, letzter Zugriff am 07.03.2024.
- Im Schatten des Dorfkirchleins, nach: fsspx.online, letzter Zugriff am 07.03.2024.
Bilderquellen:
- Titelbild: Wikimedia: Painting of the Triumphal entry into Jerusalem by Alexander Gibbs (1832–1886) on the north wall of the sanctuary, executed in 1883/4. The inscription quotes Matthew 21:9: Blessed is he that cometh in the name of the Lord. Hosanna in the Highest. (See Brian M. Walker, A History of St George’s Church Belfast, p. 78–79.), CC-BY-SA 4.0 by Andreas F. Borchert
- Einzug Jesu in Jerusalem auf den Philippinen, Wikimedia, CC BY-SA 4.0 by Marvin Bikolano




